Etiketten von Nahrungsergänzungsmitteln lesen
Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich Lebensmittel. Sie enthalten Nährstoffe oder andere Stoffe in konzentrierter, dosierter Form, etwa als Kapseln, Tabletten, Pulver oder Tropfen. Ihr Etikett folgt deshalb den allgemeinen Regeln für Lebensmittel und zusätzlich eigenen Vorschriften. Diese Seite geht die Angaben in der Reihenfolge durch, in der man sie am besten liest.
Was auf der Packung stehen muss
In Deutschland regelt die Nahrungsergänzungsmittelverordnung, die auf einer EU-Richtlinie beruht, welche Angaben zusätzlich Pflicht sind:
- die Bezeichnung „Nahrungsergänzungsmittel“,
- die Namen der Nährstoffe oder sonstigen Stoffe, die das Produkt kennzeichnen,
- die empfohlene tägliche Verzehrsmenge in Portionen,
- der Hinweis, dass diese Menge nicht überschritten werden darf,
- der Hinweis, dass Nahrungsergänzungsmittel kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sind,
- der Hinweis, dass das Produkt für kleine Kinder unzugänglich aufzubewahren ist,
- die Menge der Nährstoffe oder sonstigen Stoffe je Tagesportion.
Bevor ein Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland erstmals verkauft wird, muss es beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angezeigt werden. Eine Anzeige ist keine Zulassung wie bei einem Arzneimittel, und auf dem Etikett taucht sie nicht auf.
Zuerst die Tagesdosis klären
Die wichtigste Frage beim Lesen lautet: Auf welche Menge beziehen sich die Zahlen? Oft gilt die Tabelle für die empfohlene Tagesportion, und die besteht aus zwei oder drei Kapseln. Bei Pulvern ist ein Messlöffel angegeben, dessen Inhalt in Gramm genannt sein sollte.
Beispiel einer Angabe: Je Tagesdosis (2 Kapseln): Vitamin C 80 mg (100 %*), Vitamin D 10 µg (200 %*), Zink 5 mg (50 %*).
* Prozent der Referenzmenge (NRV). Eine einzelne Kapsel enthält hier jeweils die Hälfte.
Milligramm und Mikrogramm
- Mengenangaben immer zusammen mit ihrer Einheit lesen.
- Gramm, Milligramm und Mikrogramm auseinanderhalten.
- Prozentangaben zusammen mit dem genannten Referenzwert lesen.
Einheitenhilfe: 1 g = 1.000 mg und 1 mg = 1.000 µg.
In Mikrogramm stehen zum Beispiel Vitamin D, Vitamin B12, Folsäure, Jod und Selen, in Milligramm etwa Vitamin C, Magnesium und Zink. Bei Vitamin D findet man manchmal zusätzlich Internationale Einheiten (IE): 1 µg entspricht 40 IE.
Eine Mengenangabe beschreibt den Inhalt der angegebenen Portion. Sie ist für sich genommen keine Aussage über einen persönlichen Bedarf.
Was die Prozentzahl (NRV) bedeutet
Für Vitamine und Mineralstoffe gibt es feste Referenzmengen für die Kennzeichnung, abgekürzt NRV. Die Prozentzahl zeigt, wie viel davon eine Tagesportion liefert. Ein Wert über 100 % bedeutet nur, dass die Portion mehr enthält als die Referenzmenge.
| Nährstoff | Referenzmenge |
|---|---|
| Vitamin C | 80 mg |
| Vitamin D | 5 µg |
| Vitamin B12 | 2,5 µg |
| Folsäure | 200 µg |
| Magnesium | 375 mg |
| Zink | 10 mg |
| Eisen | 14 mg |
| Jod | 150 µg |
Nährstoff oder Verbindung?
Mineralstoffe stecken immer in einer Verbindung, etwa Magnesiumcitrat oder Zinkgluconat. Die Zutatenliste nennt die Verbindung, die Nährstofftabelle die Menge des Minerals selbst. Steht dort „Magnesium (als Magnesiumcitrat) 150 mg“, sind 150 mg Magnesium gemeint, nicht 150 mg der ganzen Verbindung.
Pflanzenextrakte und sonstige Stoffe
Für Pflanzenextrakte und viele andere Stoffe gibt es keine Referenzmenge. Hinter der Menge steht dann ein Sternchen mit einem Hinweis wie „keine Referenzmenge vorhanden“. Eine Angabe wie „Extrakt 4:1“ beschreibt das Verhältnis von eingesetzter Pflanze zu gewonnenem Extrakt. „Standardisiert auf 5 %“ nennt den Gehalt eines bestimmten Inhaltsstoffes im Extrakt. Beide Angaben helfen beim Vergleich nur, wenn sie sich auf dieselbe Pflanze und denselben Inhaltsstoff beziehen.
Kapselhülle und Hilfsstoffe
Auch die Hülle und die technischen Zutaten stehen in der Zutatenliste: Gelatine oder Hydroxypropylmethylcellulose als Kapselhülle, Füllstoffe wie Cellulose oder Trennmittel wie Magnesiumsalze der Speisefettsäuren. Für vegetarische oder vegane Ernährung ist vor allem die Hülle interessant. Wie Zusatzstoffe benannt werden, steht auf der Seite E-Nummern.
Aussagen auf der Packung
Für Nahrungsergänzungsmittel gelten dieselben Regeln wie für andere Lebensmittel: Aussagen über Körperfunktionen sind nur in zugelassenen Formulierungen erlaubt. Ein Beispiel für eine zugelassene Angabe ist „Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“. Sie darf nur verwendet werden, wenn die Tagesportion eine nennenswerte Menge Vitamin C liefert, in der Regel mindestens 15 % der Referenzmenge. Mehr dazu unter Werbeversprechen einordnen.
Etiketten nebeneinander vergleichen
Am einfachsten vergleicht man zwei Produkte, wenn man für beide die Menge je Tagesportion und den Preis je Tagesportion notiert. Wer mehrere Etiketten lieber in der Hand hält, kann das auch in einem Fachgeschäft für Nahrungsergänzungsmittel tun und dort gezielt nach den Angaben je Tagesdosis fragen. Die Fragen auf dieser Seite helfen in beiden Fällen.
Rechtsgrundlage: Richtlinie 2002/46/EG über Nahrungsergänzungsmittel · Referenzmengen: Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII